veröffentlich im Berliner TAGESSPIEGEL vom 18.10.2025
Wenn in Berlin bildungspolitische Krisen eskalieren, sind es meist die Lehrkräfte, Schulleitungen oder am Ende die zuständige Senatorin, die am Pranger stehen. Doch endlich rückt dank des Tagesspiegels auch einmal die Ebene in den Fokus, die bisher weitgehend unangetastet blieb: die Schulaufsicht. Der „Fall Thietz“ zeigt exemplarisch, wie sich Intransparenz und Selbstherrlichkeit hinter einem bürokratischen Schleier verschanzen.
Das Verhalten des zuständigen Referatsleiters ist kein bedauerlicher Ausrutscher, sondern Symptom eines Systems, das auf dieser Ebene keinerlei Selbstkontrolle kennt. Wer erlebt hat, wie dieser Schulaufsichtsbeamte in unterschiedlichen Fällen auftritt – autoritär, übergriffig, beratungsresistent – weiß, dass hier kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem vorliegt. Spätestens wenn ein Schulrat über sein eigenes Fehlverhalten zu Gericht sitzt, offenbart sich die ganze Absurdität dieses
Apparats.
Der Fall Thietz ist leider kein Einzelfall. Schon die undurchsichtigen Entscheidungen im Zusammenhang mit der Staatlichen Ballettschule und der umstrittenen Amtsenthebung von Prof. Rolf Stabel ließen erhebliche Zweifel an der fachlichen und rechtlichen Kompetenz der hier zuständigen Schulaufsicht der zentral verwalteten Schulen aufkommen – Zweifel, die das Gericht schließlich bestätigte. Auch das skandalöse Besetzungsverfahren um die Schulleiterstelle der Schulfarm Scharfenberg fällt in denselben Verantwortungsbereich. Ergebnis: Stillstand. Ebenso stagnieren die überfälligen Reformen an den Berliner Eliteschulen des Sports – ebenfalls unter dieser Schulaufsicht. Von aktivem Gestaltungswillen keine Spur.
Wer Bildung ernst nimmt, darf solche Zustände nicht länger dulden. Es braucht endlich ein Ende des dienstlichen Selbstschutzes und der internen Kumpanei. Schulaufsichtsbeamte müssen nach Kompetenz, Integrität und Führungseignung ausgewählt und regelmäßig überprüft werden – wie jede andere Führungsposition im öffentlichen Dienst auch.
Denn solange Fehlverhalten folgenlos bleibt, wird sich an den Missständen nichts ändern.
Bildungspolitik scheitert nicht an den Schulen – sie scheitert an jenen, die glauben, über ihnen zu
stehen.