(veröffentlich in DER TAGESSPIEGEL online am 28.1.2026, Printausgabe am 31.1.2026 und in BERLINER MORGENPOST v. 30.1.2026)

Was geschieht da eigentlich im Eichkamp? Eine idyllisch gelegene Schule, ein traditionsreiches Gymnasium soll still und leise zur Sekundarschule umgebaut werden – „mit Bedacht“, wie es aus dem Bezirksamt heißt. Doch Bedacht ersetzt keine Begründung.

Ja, es gibt zu wenige Sekundarschulplätze im Bezirk. Ja, einige Gymnasien kämpfen mit Nachfrageschwäche. Aber warum trifft es ausgerechnet das Wald-Gymnasium? Andere Schulen stehen kaum besser da. Die Auswahl wirkt willkürlich – oder bequem?

Als Begründung dient ein erstaunlich dünnes Argument: Die räumliche Ausstattung sei besonders geeignet für eine Sekundarschule. Was genau braucht denn eine Sekundarschule, was ein Gymnasium nicht hat? Offenbar weiß das nicht einmal die Bezirksverwaltung selbst.

Noch absurder wird es beim Blick auf die Realität: Im Bezirk standen zum laufenden Schuljahr 165 Sekundarschulplätze zunächst leer. Statt diese Schulen zu stärken, ihr Image zu verbessern, ihr Profil zu schärfen, wird eine weitere Schule „umgebaut“. Das ist keine Schulentwicklung, das ist Verschiebebahnhofspolitik.

Dabei liegt das eigentliche Problem tiefer: Nicht nur die Schulform entscheidet über Erfolg oder Misserfolg, sondern Standort, Ruf, Vertrauen. Eltern wählen nicht „Gymnasium“ oder „Sekundarschule“, sie wählen Qualität – oder das, was sie dafür halten. Und genau hier hat die SPD-geleitete Berliner Bildungspolitik über Jahre versagt: zu wenig Profil, zu wenig Mut, zu wenig Klarheit.

Wenn man schon den Eichkamp antastet, dann bitte mit Vision. Warum nicht endlich konsequent denken und im Verbund mit der benachbarten Wald-Grundschule eine Gemeinschaftsschule schaffen? Ein Campus von Klasse 1 bis 13 – durchgängig, verbindlich, zukunftsfähig. Statt Stückwerk ein Strukturwandel. Statt Symbolpolitik echte Reform.

Denn freie Schulwahl ist kein Ersatz für gerechte Bildung. Wer glaubt, man könne mit ein paar Umwidmungen Chancengleichheit herstellen, verkennt das Problem. Berlin braucht nicht mehr Etikettenwechsel – sondern ein belastbares, mutiges, kohärentes Schulsystem.

Der Campus Eichkamp könnte ein Anfang sein. Wenn die Politik den Mut dazu hat.