Veröffentlicht in der BERLINER MORGENPOST vom 15. September 2026

Man möchte fast Mitleid haben mit einer Bildungsverwaltung, die glaubt, ein einzelner Lehrer könne als Trumpf sämtliche Brandherde löschen. Engin Catik wird inzwischen so routiniert als Joker gezogen, dass man sich fragt, ob im Haus der Senatorin überhaupt noch andere Karten im Spiel sind. Und nun hat er auch noch ein Buch geschrieben.

An der Johanna‑Eck‑Schule sorgte er wieder für Ruhe – natürlich. Und an der Bergius‑Schule wurde er von der Senatorin derart gehypt, dass man meinen könnte, er sei eine Mischung aus Krisenmanager, Schulflüsterer und pädagogischem Superhelden. Die Botschaft: Jahrelang ignorierte Probleme? Kein Thema, Catik kommt, und alles wird gut.

Sein Engagement ist ohne Frage beeindruckend und dafür gebührt ihm Respekt. Doch ebenso beeindruckend ist die Leichtfertigkeit, mit der die Verwaltung ihn als Allzweckwaffe einsetzt, um den Eindruck zu erwecken, man habe die Lage im Griff. Nun erklärt Catik nach knapp zwei Jahren seine Mission offenbar für beendet – ausgerechnet jetzt, wo die Bergius‑Schule weiterhin unternachgefragt ist und ein angenehmes Schulklima eher ein Fernziel als eine Realität darstellt. Heruntergekommene Schulen brauchen Jahre unter Volldampf, um wieder auf die Beine zu kommen!

Statt weiter vor Ort zu wirken, soll Catik nun eine leitende Position im frisch gegründeten Berliner Lehrerbildungsinstitut übernehmen – jenem Institut, dessen erste Leiterin bereits nach wenigen Monaten entnervt das Weite suchte. Offenbar hofft man, Catik könne auch dort als Heilsbringer dienen. Und was qualifiziert ihn eigentlich für diese Aufgabe?

Man könnte fast meinen, die CDU-geführte Bildungsverwaltung habe eine neue Personalstrategie entwickelt: Wenn’s brennt, einfach Catik rufen. Wenn’s überall brennt, Catik befördern. Und wenn’s trotzdem weiter brennt – tja, dann war eben nichts mehr zu machen.